Aufgalopp! – zur Galopprennbahn

Nur wenige Kilometer außerhalb Bad Doberans kurz vor Heiligendamm befindet sich die älteste Galopprennbahn Deutschlands. Bereits 1804 fanden hier auf freiem Feld die ersten Pferderennen der Badegesellschaft statt. Die Rückkehr des durch die napoleonische Besetzung erzwungenen Exils von Herzog Friedrich Franz I. im Jahre 1807 feierte das Volk mit Reitvorführungen in Reddelich bei Doberan. Galopprennbahn wird sie im Sommer 1822, als die Barone Gottlieb und Wilhelm von Biel zu Ehren der Erbgroßherzogin Alexandrine das erste Rennen mit Vollblutpferden auf der Doberaner Rennbahn nach festen Regeln auf freiem Feld organisierten. Es handelt sich damit wahrscheinlich um die ältesten klassischen Vollblut-Galopprennen auf dem europäischen Kontinent. Noch im gleichen Jahr erfolgte die Gründung des Doberaner Rennvereins, dessen Wappentier der englische Hengst „Highflyer“ wird und schon ein Jahr später veranstaltete man auf der neu errichteten Pferderennbahn nun alljährlich die unterschiedlichsten Rennen zu den Doberaner Renntagen. Der Gro&s zlig;herzog legte fest, dass der jeweils erste Renntag der 13. August zu sein hat und mit dem so genannten Bauernrennen für Pferde der Landbevölkerung beginnt. Seit 1826 gab es dann die „Friedrich-Franz-Rennen“ um die „Goldene Peitsche“, die mit nur wenigen Unterbrechungen bis 1936 stattfanden. Die 1828 errichtete Zuschauertribüne aus Holz wurde 1854 durch eine größere im Stil der Bäderarchitektur ersetzt und bot 400 Zuschauern Platz.


Seit der Fertigstellung der Schmalspurstrecke 1886 mit Haltepunkt an der Rennbahn wurde nicht nur der Transport der Pferde wesentlich erleichtert, sondern auch die Anreise der immer größeren Anzahl an Zuschauern. Es wird erzählt, dass an den Doberaner Renntagen die Züge so voll waren, dass der Molli den Bahnhof nur schleichend verlassen konnte, Radfahrer ihn spielend überholt hatten und jeder froh war, wenn er den Haltepunkt Rennbahn erreicht hatte.


1939 fand dann der vorerst letzte Galopprenntag statt. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs nutzte die Luftwaffe das Gelände als Ausweichflugplatz. Aber bereits vier Wochen nach Kriegsende fand auf Betreiben eines sowjetischen Offiziers wieder ein erstes Galopprennen statt. Zunächst jedoch gab es keine Wiederholung, denn im strengen Winter 1946/47 wurden die Holzteile der Tribüne als Brennholz und die massiven Steinbauten als Baumaterial benutzt.


Von 1956 bis 1962 fand zwar jährlich noch der so genannte Bauernrenntag statt, aber schon 1964 wurde der Boden als landwirtschaftliche Nutzfläche umgepflügt und ein Teil fortan als Bauschuttdeponie genutzt. Zur 200-Jahrfeier von Heiligendamm 1993 wurde die neue Rennbahn auf dem alten Gelände wieder eingeweiht und seitdem sind die Pferderennen wieder fester Bestandteil des deutschen Turfs, das seinen Höhepunkt im alljährlichen „Ostsee Meeting“ findet.

 

Aufgalopp! – zur Galopprennbahn


Text (Auszug) aus dem Taschenbuch „Fahr'n fahr'n mit der Mollibahn“
Verlag Redieck & Schade GmbH, Friedhofsweg 44a, 18057 Rostock, Tel./Fax: 0381 27862